Sibylle Berg - Foto: Joseph Strauch

Kassel. Im Jahr 2019 erhält die Schriftstellerin Sibylle Berg den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“. Der Preis, vergeben von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel, ehrt die Autorin für den grotesk-komischen und aufklärerischen „Katastrophenschutz“ ihrer Romane, Theaterstücke und Kolumnen. Dies gab Oberbürgermeister Christian Geselle jetzt bekannt.
Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, gestiftet von dem Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, wird seit 1985 vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Autoren und Autorinnen aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist. Der erste Preisträger war Loriot; nach ihm wurden u. a. Ernst Jandl, Irmtraud Morgner, George Tabori, Karen Duve und zuletzt Eckhard Henscheid ausgezeichnet. Die Kasseler Sparkasse unterstützt den Preis großzügig. Die Preisverleihung findet am 9. März 2019 im Kasseler Rathaus statt. Die Laudatio auf Sibylle Berg hält die Schauspielerin Katja Riemann. Wer den mit 3000 Euro dotierten und auf Vorschlag von Verlagen vergebenen „Förderpreis komische Literatur“ erhält, wird im Oktober bekannt gegeben.

Begründung des Stiftungsrates
„Sibylle Berg schreibt klug und mit provozierendem Witz in ihren mit Komik getränkten Romanen, Theaterstücken und Kolumnen über desolate menschliche Existenzen in einer kapitalistisch dekadenten Welt. In virtuos rhythmisierter Sprache will sie ihre Leser durch bitteres Lachen wachrütteln. Dabei kennt sie kein Erbarmen im satirisch-sarkastischen Kampf gegen saturierte Behäbigkeit. Das macht ihre Texte zu Meisterwerken der aufklärerischen Groteske. Der kluge lachende Leser weiß, dass er im Grunde über sich selbst lacht – und Sibylle Berg hört dennoch nicht auf, bevor es weh tut. Wie die Kritik zu Recht lobt, bietet Sibylle Berg ihrem Publikum auf diese Weise die Durchleuchtung der Katastrophe mit Röntgenblick – und das ist die erste Rettungsmaßnahme in Sibylle Bergs aktivem Katstrophenschutz.“

Über Sibylle Berg
geboren in Weimar, schreibt Romane, Kurzprosa, Theaterstücke, Hörspiele, Songtexte, Essays und ist als Regisseurin und Kolumnistin tätig. Im Jahr 1984 beantragte sie ihre Ausreise aus der DDR und verlor daraufhin ihren Arbeitsplatz. In Hamburg studierte sie Ozeanografie und Politikwissenschaften. Seit 1995 lebt sie in Zürich und Tel Aviv und hat die Schweizer Staatsbürgerschaft. Ihr Werk umfasst 21 Theaterstücke und 14 Romane, übersetzt in 34 Sprachen. Bereits ihr Debüt „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ (1997), bei dem sie ihre Figuren bei der Glückssuche gnadenlos über die Klinge springen lässt, wurde, wie weitere ihrer Bücher, ein Bestseller. Auch am Theater wird Sibylle Berg für ihre Stücke gefeiert. So erhielt sie 2016 den „Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis“ für ihr Gesamtwerk. Seit Januar 2011 schreibt sie für „Spiegel Online“ die wöchentlich erscheinende Kolumne „S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle“. Für ihre multimedialen Lesungen arbeitete sie mit Künstlern wie Katja Riemann, Matthias Brandt, Mary Ocher, Christian Ulmen, Jan Böhmermann oder der Band Kreidler zusammen. An Böhmermanns und Olli Schulz’ ZDF-Talkshow „Schulz und Böhmermann“ ist sie seit 2016 mit eigenen satirischen Texten beteiligt. Seit 2013 führt Sibylle Berg auch Regie und lehrt u.a. an der Zürcher Hochschule der Künste Dramaturgie. (pm)

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