Seit 32 Jahren ist das Kulturzelt Kassel eine feste Größe der nordhessischen Kulturlandschaft. Ausgewählte Konzerte mit namhaften Küstlern begeistern jährlich tausende von Besuchern. Nun steht das Kulturzelt vor dem Aus.

Am Donnerstag meldete sich der Verein zur Förderung von Kultur- und Kommunikationsprojekten auf seiner Webseite zu Wort. Mit der Schließung des Kulturzeltes würde man auf die Rahmenbedingungen in der Stadt Kassel und das Risiko für den Trägerverein reagieren, heißt es in der Ankündigung. „Die Unterstützung der Stadt, sowohl ideell als auch materiell ist seit Jahren nicht in dem Maße, in dem es angemessen und nötig gewesen wäre, gewährleistet und uns als gemeinnützigem und nicht kommerziellem Verein ist es zukünftig nicht möglich, ohne ein adäquates Engagement der Stadt das Festival solvent und auf seinem hohen künstlerischen Standard weiterzuführen. “

Förderungen seit 1994 unverändert

Das Kulturzelt-Aus ist herber Schlag für die Region. Ein Sommer ohne das Konzert-Ambiente an der Fulda ist nahezu unvorstellbar. Foto: Gregor Meyle 2015 – Copyright: Thomas Wirth

Die formalen Rahmenbedingungen seien jedes Jahr repressiver geworden. „Einer institutionellen Förderung, die sich seit 1994 nicht verändert hat, stehen Auflagen im Schallschutz, bei den technischen Anforderungen, Infrastrukturkosten, Personalkosten und Sicherheitsaspekten entgegen, die bisher unter schwierigen, selbstausbeuterischen und riskanten Bedingungen vom Verein getragen und realisiert werden konnten, um die wirtschaftliche Situation des Vereines stabil zu halten.“

Kulturdezernentin weist Kritik zurück

In einer von der Stadt Kassel herausgegeben Pressemitteilung meldete sich die Kulturdezernentin Susanne Völker zu Wort. Mit großem Bedauern und ebenso großer Verwunderung habe sie davon erfahren, dass der Verein die Trägerschaft für das Kulturzelt Kassel mit sofortiger Wirkung abgibt. Mit Blick auf das tatsächliche finanzielle und ideelle Engagement der Stadt Kassel könne von mangelnder Kooperation keine Rede sein, so Völker. Eine seit dem Jahr 2000 unverändert hohe institutionelle Förderung von jährlich 15.340 Euro, wurde 2017 auf 27.340 Euro erhöht und in den vergangenen zwölf Jahren immer wieder durch finanzielle Zuschüsse in einer Gesamthöhe von 387.000 Euro ergänzt.

Durch diese Sonderzahlungen wurden Programme zusätzlich gefördert, Defizite ausgeglichen, Schallschutzmaßnahmen finanziert und der Ankauf eines neuen Zelts im Jahr 2010 mit 300.000 € unterstützt. „Gerade der Ankauf dieses 500.000 Euro teuren neuen Konzertbaus, an dessen Finanzierung sich auch die Firma Wintershall, die Kasseler Sparkasse sowie die Sparda Bank beteiligt hatten, habe zur Zeit der weltweiten Finanzkrise und eines zweistelligen Millionendefizits der Stadt Kassel viel Kritik ausgelöst. Die Stadt habe ihr großzügiges finanzielles Engagement für das Kulturzeltfestival als ein klares Bekenntnis zur Kultur verteidigt“, erinnert die Kulturdezernentin.

Nachdem dem neuen Kulturdezernat seitens des Trägervereins signalisiert wurde, dass eine Erhöhung der Förderung für den Fortbestand des Kulturzelts notwendig sei, wurden Mittel in der gewünschten Höhe von zusätzlich 42.660 Euro zur Defizitabdeckung in den Haushalt 2019 eingeplant und dies den Betreibern des Kulturzelts entsprechend mitgeteilt. Gleichzeitig wurde das Kulturzelt seitens des Ordnungsamtes aktiv dabei unterstützt, die in den vergangenen Jahren immer höher werdenden Sicherheitsvorkehrungen für öffentliche Veranstaltungen mit einem vergleichsweise geringen finanziellen und administrativen Aufwand umzusetzen.

„Vor diesem Hintergrund einer jahrelangen, kooperativen Zusammenarbeit und der Bedeutung, welche die Stadt Kassel dem Kulturzelt beimisst, hätte ich mir gewünscht, dass die Verantwortlichen mit ihren Bedenken das direkte Gespräch mit uns gesucht hätten anstatt mit einer finalen Entscheidung und unberechtigten Vorwürfen an die Adresse der Stadt an die Öffentlichkeit zu gehen“, kritisiert Völker.

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